Band 126: Schrecken aus dem Moor

Die drei Fragezeichen – Schrecken aus dem Moor * Autor: Marco Sonnleitner

© Kosmos-Verlag im September 2005 * ISBN – 978-3-440-10203-9 (geb. Ausgabe)

Schrewith Focos

Worum geht es?

Peter jobbt im Nationalmuseum in Los Angeles als Nachtwächter. Und während er auf einer seiner Nachtdienste seine Freunde Justus und Bob im Museum herumführt geschehen seltsame Dinge. Der alarmierte Museumsdirektor eilt mit Hilfe zweier Kollegen herbei, doch auf den Überwachungskameras ist nichts verdächtiges auszumachen. Doch einige Tage später erhalten die drei Detektive einen Hilferuf – von jenem Museumsleiter, der sie vor einer Woche hat abblitzen lassen. Die Ermittlungen um die gruseligen Vorkommnisse beginnen. Was hat es mit dem Auftreten eines seltsamen Wesens auf sich. Und welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem Rätselvers auf einem Statuen-Sockel?

Buchrezension

Enthält Spoiler!

Eine Folge mit reichlich Fan-Service und Kontakt zu alten Bekannten. So wird zu Beginn direkt klargestellt, dass wir uns zusammen mit den drei Fragezeichen an einen uns wohlbekannten Ort begeben. Dem Nationalmuseum von Los Angeles, wo wir es bereits in Folge 86 mit der „Nacht in Angst“ zu tun bekommen haben. Außerdem läuft uns mit Dr. Brolyn, dem Hundepsychologen aus „Panik im Park“, ein weiterer altbekannter Charakter über den Weg. Und auch hinsichtlich des zu lösenden Rätsels zehren Justus Jonas und seine zwei Detektivkollegen von dem Wissen alter Fälle (…und der lachende Schatten). Nebenbei hält der erste Detektiv noch Vorträge in Sachen Geographie, Völkerkunde und Erdgeschichtliches.

Die Einleitung ist sehr spannend geschrieben und gleich zu Beginn verfolgt ein mysteriöses Etwas die drei Detektive im nächtlichen Steadman Museum. Eine Szene, die mich stark an den 2006 erschienenen Blockbuster „Nachts im Museum“ erinnerte. Doch Justus Interesse wird recht zügig auf einen Rätseltext gelenkt, der auf einer Sockelplatte einer Statue des Ethnologen Jason Stuart eingraviert ist, der zu Lebzeiten in Australien forschte. Der Rätselvers beginnt mit den Worten (Zitat S.12):

„Es weht vom Dache von Gondwana

ein Wind zu der Aposteln Haupt,

und Hans verlacht die Mauern Chinas

bis ihm der Wind die Stimme raubt.

Von dort sieht man den Moloch sitzen,

doch Wandrer, höre meine Bitte:

Behüte! Komm ihm nicht zu nah,

und achte auf die Zahl der Schritte,

die dir der Kommandant befiehlt!

Es beginnt eine sehr detailreiche Recherche nach dem Sinn des Verses, und auch dieses Mal kombiniert sich Justus nahezu alleine zu des Rätsels Lösung und stößt dabei auf viele erdgeschichtliche und geographische Details. Die Auflösung des Falls ließ dann jedoch starke Zweifel aufkommen, ob der betriebene Aufwand des Bösewichts in Relation zu dem vermeintlich erzielten Nutzen daraus steht. Hatte sein aufwendiger Plan wirklich das Zeug zum Ablenkungsmanöver, oder war es am Ende sogar eher ein „Hinlenkungsmanöver“?

Fazit

„Ein Fall mit reichlich Fan-Service und einem klassischen Rätselvers. Der Plot konnte mich zwar nicht ganz überzeugen und auch der Plan und die verräterische Herangehensweise des Böswichts wirkt sehr an den Haaren herbei gezogen und wenig konsistent. Insgesamt aber ein unterhaltsamer Fall mit schönen spannenden Momenten.

Wer liest die Karte vor?

Der Direktor des Steadman Museum in Los Angeles: Mr Chandler

Hörspielumsetzung

Das Hörspiel wurde atmosphärisch und mit der passenden musikalischen Untermalung umgesetzt, was jedoch über die Dauer des Hörspiels nicht von der löchrigen Handlung ablenken kann. Es ist auffällig, dass der Schrecken aus dem Moor mehr Mittel zum Zweck war das mysteriöse Element in die Geschichte einzubinden. Grundsätzlich hätte die Ermittlung um das Vermächtnis von Jason Stuart auch ohne den herbeigeführten Hokus Pokus funktioniert, und selbst der Antagonist hätte sich – ohne zusätzliches Aufsehen zu erregen – auf die Jagd nach dem Erbe begeben können, ganz ohne Störfeuer. Dies wäre dann jedoch zu wenig ??? gewesen? Ein wenig enttäuscht war ich, dass die vermeintlich spannendste Szene aus dem Buch (ich nenne sie „Bob in der Kartoffelkiste“) im Hörspiel gar nicht vorkam.

Gesamtbewertung BuchGesamtbewertung Hörspiel
Plot:
Spannung:
Ermittlungsarbeit:
Kommissar Zufall: (10=wenig, 0=viel)
Gesamteindruck:
5
6
7
6
6,0
Spannung:
Musik:
Sprecherrollen:
Logikfehler (10=keine, 0=heftig)
Gesamteindruck:
6
6
6
4
5,5

Inhaltliches / Logikfehler (Achtung, Spoiler!)

  • Der Schwenk der Überwachungskamera dauert max. 30 Sekunden – wie konnte der Bösewicht die Moorleiche in so kurzer Zeit aus der Vitrine entnehmen?

Faktencheck

  • Die Moorleiche im Steadman Museum sei keltischen Ursprungs um 200 v. Chr. und sei in Südengland gefunden worden. Wie Direktor Chandler äußerte etwa „8 Jahre zuvor“. Demnach müsste der Fund aus den 1990er Jahren stammen. Es sind zahlreiche Moorleichen-Funde dokumentiert. Ein Fund der hunderporzentig zu den Angaben im Hörspiel passt ist jedoch nicht bekannt. Am ehesten würden hier wohl die Funde aus den Jahren 1983 und 1984 in der Grafschaft Cheshire passen, welches allerdings im Nordwesten Englands liegt und nicht an der Südküste der Insel. Eine Übersicht mit näheren Informationen zu Moorleichen-Funden bietet die freie Enzyklopädie Wikipedia (ext.)
  • Das Dach von Gondwana: Justus interpretiert diese Bezeichnung im Rätselvers so, dass es sich dabei um die höchte Erhebung auf Australischem Territorium handeln müsste. Der Mount Kosciusko ist mit 2228 m der höchste Berg auf dem australischen Kontinent. Er befindet sich in New South Vales in den Snowy Mountains. Laut dem Year Book of Australia 1901-1909 hieß der Berg jedoch früher einmal Mount Townsend, da er ursprünglich nur für den zweithöchsten Berg gehalten wurde. Nachdem man bei Vermessungen feststellte, dass der ursprünglich benannte Mount Koscisuko mit 2209 m nur der zweithöchste Gipfel ist wurden die Namen der Berge kurzerhand getauscht, damit der höchste Berg Australiens seinen Namen beibehalten kann. (Quelle ext.)
  • Der Aposteln Haupt: Die Twelve Apostels sind eine Formation verschiedener Kalksteinfelsen an der Südküste Australiens im indischen Ozean. Durch die natürliche Erosion der Meeresbrandung ist der Küstenabschnitt ständiger Veränderung unterlegen. Innerhalb der letzten 30 Jahre verschwanden so zwei der Kalksteinfelsen, da sie als Resultat der Erosion in sich zusammenbrachen. Die Felsen befinden sich nach des Loch Ard Gorge in unbewohntem Gebiet.
  • Die Mauern Chinas: Die Walls of China sind eine Sandformation mit teils verfestigten Strukturen im Mungo National Park in der Murray-Riverina Region im Landesinneren von New South Wales. Es handelt sich um einen Nationalpark der frei zugänglich bewandert werden kann: (Infos, Quelle: https://www.nationalparks.nsw.gov.au/things-to-do/cycling-trails/walls-of-china)

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